Samstag, 16. Mai 2015

Welcome to my lazy, boring Saturday!

Hallo! Ja, ich bins schon wieder, denn mir ist langweilig und ich wollte einfach mal drüber reden, wie sich die meisten meiner Au Pair Freunde momentan fühlen. Ich im übrigen auch.
Für die meisten, die ich kenne, neigt sich das Jahr dem Ende zu und alle fiebern auf den Reisemonat (wenn man ihn denn macht) zu wie nie zuvor. Wir wollen so gerne nach Hause, Zeit mit Familie und Freunden verbringen, aber vorher noch im Eiltempo Erinnerungen schaffen.
Klar haben wir schon so viel erlebt, von dem wir den Großteil wahrscheinlich gar nicht als besonders toll wahrnehmen, aber jetzt, wo es fast vorbei ist blitzt das Phänomen der Torschlusspanik in uns auf. Und fällt auf, dass wir das alles nicht für immer behalten können und jetzt kommt die Angst. Habe ich alles gemacht, was ich machen wollte? Muss ich irgendwas bereuen? Und jeden Tag, an dem man Zuhause sitzt und keine Pläne hat (wie ich heute!) hat man ein schlechtes Gewissen vom Feinsten. Grausig, aber wahr. Klar, zuhause kann ich ja auch in meinem Zimmer hocken und Musik hören. In New York sollte ich also lieber durch Manhattan jagen und Erinnerungen schaffen. Dass auch ja jeder neidisch ist.

Und wenn ich hier so sehe, wie sich manche Mädels und Jungs 'ausprobieren', dann sitze ich hier nur und frage mich, was ich eigentlich mit meinem Leben mache. Noch immer keinen Plan, was und wo ich im Oktober studieren will, keine Bewerbungen fertig, aber jetzt schon am Verzweifeln.
Ich wollte auch nie wieder die sein, die Chancen verpasst. Aber hey, irgendwie bin ich immer so. Momentan bin ich leider etwas im 'dark place', mental gesehen. Nicht, dass ich depressiv bin, Quatsch. Aber ich habe schon sehr oft schlechte Laune und freue mich echt nicht mehr über vieles. Schon gar nicht unter der Woche. Und ich werde es so bereuen, dass ich so schnell genervt von meinen Kleinen bin. Sobald ich weg bin, werde ich heulen und mich fragen, wieso.
Ich glaube, ich brauche endlich meine Eltern. Nur noch ein paar Tage, dann sind Sie hier.
Ich glaube, ich muss hier einfach mal raus. Urlaub woanders machen. Einen Wochenendtrip. Wie Katrin so schön sagt und es somit vielleicht Nicht-Aupairs verständlich macht: Wir arbeiten und arbeiten und arbeiten. Und wenn wir Feierabend machen, dann rollen wir uns im Büro unseres Chefs ein und schlafen dort.
Katrin hat ihr Country-Zimmer, ich hab mein eigenes Zimmer (sogar mit Tür, ha!) aber trotzdem bin ich immer alarmbereit. Heute wieder. Ich musste warten mit dem Duschen, bis der kleine abgeholt wurde, nur weil der Rest meiner Gastfamilie vorher schon los musste. Kaum war der kleine dann weg, belegte der älteste unser Bad. Für zwei Stunden. Jetzt ist es endlich frei, gleicht allerdings momentan einer Sauna, also gebe ich dem Raum noch etwas Zeit zum auskühlen.
Das sind alles nur Kleinigkeiten, aber du kannst nicht nach Hause fahren nach der Arbeit. Denn du arbeitest zuhause. Und das ist eine dauerhafte Belastung, die man sich gar nicht vorstellen kann, wenn man es nicht mal selbst erlebt hat.
Ich bin froh, dass meine Kids verstehen, wenn ich off bin und mich dann nur ungern bitten Ihnen zu helfen. Aber andere Mädels haben kleine Kinder, die die Grenzen nicht verstehen können und deshalb auch am Wochenende 'arbeiten', weil sie schlecht Nein sagen können, wenn das Gaskind spielen oder etwas zeigen möchte.

Ich habe schon so viele gehässige Kommentare bekommen auf ask und hier, dass ich mich nicht so anstellen soll und dass es doch ein Kinderspiel ist, was ich hier mache. Dazu kann ich wirklich nur sagen, dass all solche Menschen, die sowas unterschätzen, es keine zwei Wochen aushalten würden.
Wisst ihr wie sehr ich es vermisse, mich zu streiten? Jemanden anzuschreien, Türen zu knallen und am nächsten Tag ist alles vergessen? Wenn man das jeden Tag hat, dann hasst man es. Und natürlich ist das nichts, was man gerne hat. Aber es staut sich so oft Wut und Frust an, den man nicht abbauen kann, weil man einfach aufpassen muss, was man sagt. Würde ich meinen Gasteltern mal ab und an die Meinung sagen, statt runterzuschlucken und zustimmend zu nicken, dann sähe hier alles ganz anders aus.
Also nochmal, an alle Kritiker da draussen: mein Job hört sich vielleicht nicht außerordentlich spannend oder anstrengend an. Aber es ist nicht nur die Arbeit, sondern auch der nicht vorhandene Abstand zur Arbeit, die eingeschränkte Privatsphäre, die aufrecht zu erhaltende Beziehung zu meiner Familie hier, die gleichzeitig meine Arbeitgeber sind. Ich kann mich hier sonntags nicht schluderig auf die Couch fläzen und etwas unordentlich sein, weil ich grade keine Lust habe, aufzuräumen.
Ja, das hier ist meine zweite Familie, aber sie sind meine Familie by choice. Sobald ich was bringe, was die nicht mit sich vereinbaren können, ob privat oder während meiner Arbeitszeit, bin ich sofort weg vom Fenster. Und das ist es, was Nicht-Aupairs selten verstehen und sehen können.

Bevor ihr also nochmal was zum Beruf als AuPair sagt, denkt dran, was alles damit zusammenhängt. Das wollte ich einfach mal los werden.

Ich gehe jetzt mal duschen und mich umziehen und dann Fläze ich mich aufs Sofa, weil meine Gasfamilie nicht da ist! Tschüss und habt noch ein schönes Wochenende :)

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