Die Sache ist, dass jeder Tag immer länger wird. Und trotzdem vergeht die Zeit wie im Flug. Es Kommen noch so viele Dinge, auf die ich mich freue. Einerseits kann ich es alles nicht abwarten und andererseits habe ich Angst, dass alles zu schnell vorbei geht. Für mich ist es immer noch alles sehr verrückt, was in mir vorgeht. Und wenn man vor dem Jahr noch dachte, man würde sich hier finden, dann wird man irgendwann bemerken, dass man sich tatsächlich in alle Himmelsrichtungen verstreut. Mit jeder Person, die ich hier ins Herz geschlossen habe, wird es schwieriger, zu wissen was denn eigentlich 'Zuhause' ist.
Natürlich, irgendwie wird Zuhause immer da sein, wo ich aufgewachsen bin. Und trotzdem ist das hier ebenfalls mein Zuhause. Wenn ich Katrin, Lina oder Merle besuchen fahre, dann wird allerdings auch ein Teil von mir nach Hause kommen. Gleichzeitig fühle ich mich nirgendwo Zuhause, weil ich so viele Orte nicht gesehen habe, die ich noch sehen will.
Es ist so anstrengend, wenn das Herz dich in zwei verschiedene Richtungen zerrt. Ich möchte nach Hause, bekanntes um mich haben und auch mal wieder Kind sein. Ich möchte Reisen, das unbekannte entdecken und noch mehr Erfahrungen sammeln, die mich noch mehr reifen lassen.
Bei all dem durcheinander muss ich mich selbst von Zeit zu Zeit stoppen und mir sagen, dass ich das hier und jetzt einfach genießen soll. Ich muss jeden Tag genießen, an dem mir mein Kleiner Kopfschmerzen bereitet, wenn er den ganzen Tag 'the other day' ruft. Ich werde das mindestens genauso vermissen wie den Hund, der von jetzt auf gleich einfach aufspringt und wie ein Wilder durch die Wohnung rast. Ich werde vermissen, dass meine Kleine mich immer schminken will und wie sie mich zu ihrem Juror macht, wenn es um Tanzschritte geht. Ich werde sogar den Ältesten vermissen und meine Gasteltern, wie sie ihn jeden Tag aus dem Bett schreien, nur um dann zwanzig Minuten später vor der Badezimmertür zu stehen, um ihn auch dort wieder anzuschreien und ihm androhen, dieses Mal keine Verspätungen in der Schule zu entschuldigen, wobei jeder weiß, dass sie es eh nicht durchziehen.
Auch wenn ich bei all dem jedes Mal nur den Kopf schütteln und mich aufregen kann, ich werde es vermissen, mein kleines Affentheater.
Ich werde mein quietschendes Bett vermissen, das Knarren meines Fußbodens, meine Zimmertür, die genauso wie die Badezimmertür quietscht und sich nur schwer schließen lässt, ich werde die Haustür vermissen und wie ich so oft meinen Code falsch eingebe, die Treppe, bei der ich jedes Mal fürchte, auszurutschen (bereits zwei Mal passiert).
Jede Tür in diesem Haus quietscht oder knarrt, wenn man sie öffnet und schließt. Ich kenne jede Schublade in diesem Haus so genau, dass ich allein vom Klang weiß, welche es ist. In der Sekunde, in der meine Gasteltern zur Tür rein kommen, weiß ich wie ihr Tag war. Jeden Morgen, wenn mein Gastvater das Haus verlässt, sagt er 'have a good day selina' und ich antworte 'you too, see you later'. Abends kommt er zur Tür herein und fragt 'how was your day selina?' Und ich antworte 'very good, as always', bevor er dann den Hund fragt, ob er denn heute lieb zu Mommy (das bin ich) war.
Ich liebe es, wenn ich am Wochenende in der Küche sitze und esse, meine Gastmutter die Spülmaschine einräumt und mir den Teller unter der Nase wegschnappt, bevor ich den letzten Bissen runterschlucken konnte.
Es sind die kleinen Dinge. Das hört man überall und ich muss so weit weg sein von Zuhause, um wirklich zu verstehen, was es bedeutet.
Ich weiß, dass das folgende nicht zum Thema passt und warum ich es schreibe weiß ich selbst nicht, aber irgendwas sagt mir, ich sollte.
Archie lag eben wie immer auf dem Fußboden und hat geschlafen, also habe ich mich wie so oft dazu gelegt und ihn geknuddelt und abgeknutscht. Dann habe ich an Cutie, den verstorbenen Hund gedacht, an ihre letzten Minuten, weil ich eben genau so zusammen gekauert mit ihr dort gelegen hatte. Und ich hab den kleinen Archie nur an mich gedrückt und mich von ihm trösten lassen. Das damals war das intensivste Erlebnis, dass ich je hatte. Als ich angefangen habe, das zu schreiben, wusste ich genau, worauf ich hinaus wollte. Jetzt ist mein Kopf leer.
Gefühle sind sowieso ziemlich merkwürdig, wenn ihr mich fragt. Vermissen zum Beispiel. Wieso vermisse ich den einen Menschen mehr als den anderen? Zur Zeit zum Beispiel vermisse ich merle am allermeisten. Einen Menschen, den ich letztes Jahr im Juli kennen gelernt habe, mit dem ich vier Tage verbracht habe und den ich danach nie wieder getroffen habe. Wer auch immer auf die Idee kam, dass es sowas wie Seelenverwandte gibt, der muss sowas ähnliches erfahren haben. Vielleicht bildet man sich vieles ein, redet sich Dinge ein und macht aus Seelenverwandtschaft ein unglaubwürdiges Phänomen. Aber wenn es sowas wirklich gibt, dann weiß ich, wie es sich anfühlt.
Zum Abschluss hänge ich noch Bilder an, die Linas Freund vorletztes Wochenende von uns gemacht hat, weil ich weiß wie gerne ihr Bilder mögt.
Ich weiß nicht, wann ich mich wieder melde, wahrscheinlich, sobald der Alltag mal wieder von etwas Spannendem unterbrochen wird. Bis dahin, macht es gut!





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